Wir Töchter von Oliwia Hälterlein

Starkes Romandebut - von Müttern und Töchtern, Polen und Deutschland

Polen – für Deutsche oft Terra Incognita. Zeit, dies zu ändern – dieser anregende Roman schafft einen Zugang über das Leben von drei Generationen Frauen. Marianna, die Großmutter, wächst direkt nach dem Krieg in einem polnischen Dorf auf, muss unendlich viel arbeiten in Hof und Küche und erlebt tiefverwurzeltes Brauchtum sowie strengen Katholizismus. Ihre Tochter Roza hat eine brennende Sehnsucht nach der Stadt und „flieht“ zu einer Freundin nach Danzig, doch die Solidarnocz-Bewegung bleibt ihr als Bauernkind fremd – ein Mann ist es, der ihr den Ausweg nach Deutschland ermöglicht. Rozas Tochter Waleria wiederum fühlt sich in Deutschland als Außenseiterin und hat Sehnsucht nach dem Dorfleben bei der geliebten Oma in Polen. Dieser Roman ist keine bloße Familiengeschichte, er stellt Fragen: Gibt es vorherbestimmte Rollen? Sind Töchter ihren Müttern etwas schuldig? Wie weit darf frau gehen, um ein eigenes, völlig anderes Leben zu leben? Von Oliwia Hälterlein wird man nach diesem aufregenden Debut hoffentlich noch viel zu lesen bekommen. Der Roman erfordert etwas Konzentration, denn die Schauplätze und Figuren wechseln häufig. Dafür belohnt er mit immer neuen, auch sprachlich beeindruckenden Blickwinkeln auf Polen und die weibliche Selbstbestimmung.

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